Christina Fassbender & Gregor Hollmann

Frisch und farbig, dynamisch, voll interpretatorischen Eigensinns: das Spiel des Duos Fassbender-Hollmann nimmt geradewegs mit ins 18. Jahrhundert. Dabei harmonieren die moderne Flöte und das historisch gestimmte Cembalo wunderbar. Die beiden Interpreten, die Hochschulstellen bekleiden und im In- und Ausland konzertieren, überraschen mit selten aufgeführten Werken und „neuer“ Musik des Barock, die sie in Archiven aufgespürt haben.
„Damals hatte man noch nicht viele Stücke, die eigentlich für die Flöte gesetzt waren. Man behalf sich mit Hoboen- und Violinstücken, welche sich ein jeder selber, so gut er konnte, brauchbar machte“, erinnert sich Johann Joachim Quantz, der berühmte Flötenlehrer Friedrichs des Großen, 1719. Doch schon bald nehmen Komponierende das moderne Instrument in den Fokus, und die Querflöte wird am Hof und im Salon, wo sich Bürgerliche, Adelige, Künstler und Intellektuelle, darunter zahlreiche Frauen, austauschen, populär. Auch am 1795 gegründeten Pariser Conservatoire spielt sie sich nach vorn.
Eine der vermutlich ersten Sonaten, die in Deutschland originär für Flöte und Cembalo entstanden, schrieb Augustin Reinhard Stricker, Mitglied der ersten preußischen Hofkapelle. Seine a-Moll-Sonate entdeckten Fassbender und Hollmann im Archiv der Marienkirche zu Rostock. In der reichen Notensammlung Sara Levys fand das Duo die „salonfähige“ Sonate „Flauto … con Basso, del Sigl: Bach“ eines anonymen Komponisten. Sara Levy (1761–1854) war eine großartige Cembalistin, Mäzenin und angesehene Berliner Salonnière, die zwischen der Tradition der Bach-Familie, der Berliner Aufklärung und der entstehenden bürgerlichen Musikkultur vermittelte.
Klangsinnlich und ausdrucksvoll sind die Sonaten der hoch gebildeten Schwestern Friedrichs des Großen, Anna Amalia von Preußen und Wilhelmine von Bayreuth. Wilhelmines Mann, dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth, widmete die 16-jährige Anna Bon aus Venedig ihre erste, 1756 verlegte und heute international anerkannte Flötensonate. Die heute dagegen selten gespielten Einzelsätze von Johann Georg Wunderlich und Antoine Hugot, beide Lehrer am Pariser Conservatoire, sind Salonmusik im besten Sinn, „romantisch“, unterhaltsam und hochvirtuos.
Mitwirkende
Christina Fassbender Flöte Gregor Hollmann Cembalo
Programm
Salonfähig
Augustin Reinhard Stricker (ca. 1675–1719): Sonate a-Moll
Wilhelmine von Bayreuth (1709–1758): Sonate a-Moll
Anna Bon di Venezia (ca. 1740–nach 1767): Sonate B-Dur, op. 1
Anna Amalia von Preußen (1723–1787): Sonate F-Dur
Anonymus: Sonate G-Dur, „Flauto…con Basso Del Sigl:Bach“
Georg Christoph Wagenseil (1715–1777): Sonate D-Dur
Johann Georg Wunderlich (1755–1819): Andante (Romance). Aus: Méthode de Flûte de Conservatoire … Paris 1804
Antoine Hugot (1761–1803): Polonaise. Aus: Sonate e-Moll op. 8,4 (Paris 1795)
Barockkirche St. Franziskus
Die Barockkirche Zwillbrock bildete den Nordflügel einer Klosteranlage, die nach Aufhebung des Klosters 1811 abgerissen wurde. Das Äußere der Kirche ist schlicht, der Innenraum dagegen prächtig gestaltet und in seiner ursprünglichen Ausstattung in Gänze erhalten. Der Kirchenraum ist als Bild des Himmlischen Jerusalem, das die Gläubigen nach ihrem Tod erwartet, und als Bild der katholischen Kirche, die über die Reformation triumphiert, zu verstehen. Auf dem Hochaltar weisen zwei Engel auf eine Kopie von Rubens’ „Mariä Verkündigung“. Der Prospekt der äußerst wertvollen Orgel gehört zu den schönsten Orgelgehäusen im Münsterland. Als Krone steht oben König David: ein siegreicher Held, der, nach der Erzählung des Alten Testaments (1 Sam 16), als junger Hirte mit seinem Harfenspiel die Melancholie des Königs Saul vertrieb.
In Kooperation mit dem Freundeskreis Barockkirche Zwillbrock e.V. und der Pfarrgemeinde St. Georg Vreden | www.barockkirche-zwillbrock.de | www.stgeorgvreden.de
