So 30. August 2026 18:00 Uhr
Nordwalde St. Dionysius Kirche
28 €, erm. 24 €, 15 € bis 25 Jahre

Stefan Schilli, Kai Frömbgen, Bram van Sambeek, Ying Lai Green, Sergej Tcherepanov

© Emma Schilli, Gabor Nagy, Hans-Peter van Velthoven, Marco Borggreve, Sergej Tcherepanov

Barocke Kammermusik, gravitätisch, glänzend und glühend: Triosonaten als dramatische Kammerspiele, mit Oboen als Protagonistinnen. Das ist selten zu erleben – und exquisit, wenn zwei der angesehensten Oboist:innen Deutschlands, Kai Frömbgen und Stefan Schilli, die beiden Melodiestimmen spielen. Dritte Kraft im Ensemble ist der Generalbass, das harmonische und rhythmische Fundament, das Bram van Sambeek, Ying Lai Green und Sergej Tcherepanov legen, indem sie zu den vorgegebenen Basslinien improvisieren.

Der besondere Reiz der Triosonate: die beiden Oberstimmen sind gleichberechtigt und ständig in Dialog. Sie imitieren einander wie Echos, sind sich nah wie Frage und Antwort, Behauptung und Widerspruch; sie umkreisen einander, laufen parallel, verflechten und lösen sich, gehen wieder eigene Wege. Darunter der Bass, pulsierend oder ruhig, farbig und voll. Er hält die Solisten motorisch, trägt ihren Dialog oder greift kommentierend in das melodische Geschehen ein.

Glanz und Glühn: Jan Dismas Zelenkas Triosonaten gehören zu den allerschönsten überhaupt und zum Außergewöhnlichsten, was das europäische Barock zu bieten hat! Sie entstanden 1721/22 am Hof Augusts des Starken in Dresden, einem der damals bedeutendsten Musikzentren Europas. Dort gab es eine Hofkapelle mit Spitzenmusikern, wo auch Zelenka seit 1710 als Kontrabassist und Komponist angestellt war. Die Triosonaten des Böhmen heben sich von Händels italienisch geprägter Triosonate, Hasses gesanglich inspirierter, höfisch eleganter und Faschs rhythmisch markanter, orchestraler Sonate deutlich ab. Denn sie sind extrem virtuos und wundervoll lang, harmonisch und kontrapunktisch eigenwillig, bisweilen extravagant oder im besten Sinn exzentrisch, technisch also äußerst anspruchsvoll. Dabei sind sie nie verkopft, sondern immer höchst musikantisch und expressiv. Ihr Rhythmus nimmt mit und drängt nach vorn, kompliziert laufen die beiden Oboenstimmen über der Bassgruppe gegeneinander. Das ist aufregend und spannend, zumal, wenn sich das Fagott aus der Bassbegleitung heraus zwischen die melodieführenden Oboen drängt – und die Triosonate plötzlich vier Stimmen hat.

Mitwirkende

Stefan Schilli Oboe Kai Frömbgen Oboe Bram van Sambeek Fagott Ying Lai Green Kontrabass Sergej Tcherepanov Cembalo, Orgel

Programm

Glanz und Glühn

Joh. Friedrich Fasch (1688–1758): Sonate a 4 g-Moll, FWV N:g1

Georg Friedrich Händel/William Babell (1690–1723): Ouvertüre „Rinaldo“ & Lascia ch’io pianga

Georg Friedrich Fuchs (1752–1821): Triosonate d-Moll

Johann Adolph Hasse (1699–1783): Triosonate d-Moll

Georg Friedrich Händel (1685–1759): Triosonate B-Dur, op. 2 Nr. 3, HWV 388

Jan Dismas Zelenka (1679-1745): Triosonate Nr. 4 g-Moll, ZWV 181 | Triosonate Nr. 6 c-Moll, ZWV 181

 

St. Dionysius Kirche

48356 Nordwalde
Kirchstraße 4

Die denkmalgeschützte St. Dionysiuskirche in Nordwalde wurde im 15. Jh. als dreischiffige und dreijochige Hallenkirche errichtet. Im 19. und 20. Jh. wurde das Langhaus erweitert, es bekam zwei Querschiffe und der Turm eine spitze Haube. Somit sind vom alten Kirchenbau nur der Chor und das ehemals (bis 1815) westlichste Gewölbefeld erhalten. In den beiden Querschiffen befinden sich heute das Pfarrheim und die Leihbücherei der Gemeinde. Die barocke Orgel westfälischen Charakters ist eine der wenigen Barockorgeln in Westfalen. Sie wurde im Jahr 2000 von der Firma Bensmann fertiggestellt. Das Gehäuse stammt von Henrich Mencke, einem Orgelbauer aus dem 18. Jh. Die Orgel wurde anhand der Verträge aus dem Jahr 1711 rekonstruiert und geringfügig erweitert.

In Kooperation mit der Kath. Kirchengemeinde St. Dionysius | www.kirchengemeinde-nordwalde.de