Fr 3. Juli 2026 19:30 Uhr
Sassenberg-Füchtorf Herrenhaus Harkotten-von Korff
26 €, erm. 21 €, 15 € bis 25 Jahre

K. Manaev, Luftwaffenmusikkorps, A. Kalweit

© Bundeswehr, Zuzanna Specjal, Sitzmann, Ettore Causa, Irene Valentini

Das Holzbläserthema „verkehrt“: mit dem groovenden Cellokonzert Friedrich Guldas und mit Konstantin Manaev, dem charismatischen Cellisten und künstlerischen Leiter des Romberg-Festivals, als Solist. Die Bläser, Musiker:innen des Luftwaffenmusikkorps Münster, formen zusammen mit Streichern und einer Rock-Band ein kleines Orchester unter Leitung von Alexander Kalweit.

Gulda, Komponist, Jahrhundertpianist, Klassikrebell und Universalkünstler, überspringt mit seinem Cellokonzert in fröhlichem Zickzack sämtliche Gräben zwischen sogenannter U- und E-Musik, Klassik, Pop, Jazz, Volksmusik oder Rock. Das unkonventionelle Konzert ist Manaev auf den Leib geschrieben:

„Das Cello rockt und groovt mit oder gegen das Bläserensemble, bis vollkommen unvorbereitet eine Mozartsche Idylle ausbricht, um endlich in diesem Aufruhr wieder sonore Ruhe und Frieden zu schaffen. Doch jäh verstummt das Szenario, als ob plötzlich eine Tür aufgeschwungen würde, im Gegenlicht die Silhouette einer finsteren Gestalt, als hätte der Gangster in einem Thriller seinen ersten Auftritt in Form einer waghalsigen, völlig absurden Solokadenz. Kaum ist der Schreck in die Knochen gefahren, macht sich ein zierliches, schlichtes Barock-Menuett zaghaft bemerkbar, versucht die Gemüter zu beruhigen. Doch vergeblich, denn die Ausseer Dorfmusik hat Wind bekommen von dem Wirbel und platzt gnadenlos in die Szenerie hinein, das Cello matcht sich mit ihr, die Situation droht zu eskalieren und verwandelt sich in eine rockige Auseinandersetzung – doch wie in jeder guten Dorfbalgerei ist man bald wieder gut miteinander und leert ausgelassen im Dorfwirtshaus ein Bier.“ (F. Kleinhapl, Booklet „Gulda Meets Shostakovich“)

Bernhard Rombergs Concert-Ouvertüre (1812) schwingt zwischen klassischer Formklarheit und frühromantischem Ausdruck melodisch und spielerisch aus.  Der europaweit berühmte Cellist, der in Münster aufwuchs, denkt als Cellist und Komponist gesanglich. Mozarts Figaro-Marsch strahlt in Loritz’ konzertanter, nicht militärischer, Bearbeitung von höfischer Grazie, humorvoller Leichtigkeit und schelmischen Effekten. Tänzerisch elegant Grétrys exotisierender, ebenfalls konzertanter Janitscharenmarsch, der im 18. Jh. den Idealen der Französischen Revolution, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Ausdruck verleihen sollte. Konstantia Gourzi entfaltet in ihrem Streichquartett ein konzentriertes Ritual aus Klanggesten, einen Kreislauf aus Impuls, Wiederholung und Verwandlung, darin kontemplative Ruhe und tänzerisch aufgeladene Energie.

Mitwirkende

Konstantin Manaev Violoncello

Luftwaffenmusikkorps Münster

Alexander Kalweit Leitung

Julia Smirnova, Christian Kim Violine Miguel Erlich Viola Victoria Saldarini Violoncello

Programm

Summerwinds meets Romberg-Festival

Bernhard Romberg (1767–1841): Concert-Ouvertüre, op. 34 (ca. 1813)

Wolfgang A. Mozart (1756–1791): Figaro-Marsch, bearb. Albert Loritz

Konstantia Gourzi (*1962): Telestía, für Streicquartett, op. 103

André-Ernest Modeste Grétry (1741–1813): Marche des Janissaires, bear. Gerhard Baumann

Friedrich Gulda (1930–2000): Konzert für Violoncello und Blasorchester

 

Romberg Festival, FR 3.–SO 5. Juli

Herrenhaus Harkotten-von Korff, Sassenberg-Füchtorf | Erbdrostenhof, Münster

Summerwinds meets Romberg Festival, das kleine, feine Musikfestival auf Haus Harkotten in Sassenberg-Füchtorf und im Erbdrostenhof in Münster. Auch 2026 hat Konstantin Manaev, der künstlerische Leiter, internationale Interpret:innen eingeladen, die Kammermusik von Bernhard und Andreas Romberg im Kontext bekannter Meisterwerke und neuer Klänge unserer Zeit lebendig werden zu lassen. Composer in Residence ist Konstantia Gourzi aus München. Das Gesamtprogramm des Romberg Festivals, das vom Verein der Freunde und Förderer des Denkmals Harkotten e.V. veranstaltet wird, finden Sie hier: www.romberg-festival.de

Andreas und Bernhard Romberg

Von Interpret:innen und Expert:innen als Komponisten international geschätzt, sind sie beim Publikum nahezu unbekannt: der Cellist Bernhard Romberg (1767 Dinklage – 1841 Hamburg) und der Geiger Andreas Romberg (1767 Vechta – 1821 Gotha). Die Cousins, die von Zeitgenossen gern als „die jüngeren Brüder Romberg“ bezeichnet wurden, wuchsen ab 1769 in Münster auf, wo ihre Väter Hof- und Dommusiker waren. Heute sind sie die bekanntesten Sprosse der Musikerfamilie Romberg, die das Konzertleben in Münster jahrzehntelang geprägt hat. In den ersten dreißig Jahren ihres Lebens verliefen die Karrieren der beiden „Brüder im Geiste“ nahezu parallel. Früh gaben die zwei „Wunderkinder“ Konzerte u. a. in Amsterdam und Paris, sie komponierten, spielten in der münsterschen Hofkapelle, später in der Bonner Hofkapelle und im Streichquartett mit Ludwig van Beethoven, waren am Deutschen Theater in Hamburg angestellt und unternahmen Bildungsreisen in den europäischen Süden.

1799 trennten sich ihre Wege. Im Gegensatz zu Bernhard, der sich europaweit einen Namen als Cellovirtuose machte und einen Großteil seines Repertoires selber schrieb, verlegte sich Andreas primär aufs Komponieren. In der ersten Hälfte des 19. Jhs wurden seine Werke auf eine Stufe mit denen Haydns, Mozarts und Beethovens gestellt, und er zählte zu den meistgespielten Komponisten Deutschlands.

Bis auf wenige unedierte Kompositionen erleben Andreas’ und Bernhards Werke seit den 1990er Jahren eine Renaissance, zu der auch das Romberg-Festival auf Harkotten und im Erbdrostenhof beitragen will.

Die kunstsinnigen Erbauer von Haus Harkotten, Friedrich Anton und Rosine von Korff, waren mit den Rombergs bekannt. Ob die Cousins bei ihnen und im Erbdrostenhof in Münster auftraten, ist nicht überliefert.

 

Veranstalter: Verein der Freunde und Förderer des Denkmals Harkotten e. V.

Herrenhaus Harkotten-von Korff

48336 Sassenberg-Füchtorf
Harkotten 2

Als Zeitzeugnis für die Epoche der Aufklärung wurde das Herrenhaus Harkotten von Korff 2015 vom Landeskonservator als Denkmal von Nationalem Rang eingestuft. Das Herrenhaus im Stil des Klassizismus ließen Friedrich Anton und Rosine von Korff 1806 errichten. Es ist das Erstlingswerk des 29-jährigen Architekten Adolph von Vagedes (1777–1842), der aus Münster stammt und später als großherzoglicher Baudirektor und Stadtplaner etwa von Düsseldorf (Ratinger Tor, Königsallee) und Krefeld hervortrat.

In Kooperation mit den Freunden und Förderern des Denkmals Harkotten e. V.
www.harkotten.eu